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quarta-feira, 2 de novembro de 2011

Mehr brasilianische literatur für deutschsprachige leser

Rund 1,2 Millionen Buchtitel sind zurzeit in Deutschland lieferbar. Bei gerade einmal 60 Titeln handelt es sich um literarische Übersetzungen aus dem brasilianischen Portugiesisch. Jetzt sollen Leser im deutschen Sprachraum an die vielfältige zeitgenössische Literatur aus Brasilien herangeführt sowie in der Vergangenheit erschienene, inzwischen aber nicht mehr erhältliche Bücher neu aufgelegt werden.

Hierfür hat die Regierung Brasiliens ein umfangreiches Programm zur Übersetzungs- und Verlagsförderung aufgelegt. Der erste Meilenstein der Initiative steht bereits im Herbst 2013 ins Haus, wenn Brasilien als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse auftritt.

Auf und Ab der Literaturförderung
Die Stabsstelle des Förderprogramms wurde bei der „Fundação Biblioteca Nacional“, einer Einrichtung des brasilianischen Kulturministeriums, eingerichtet. Stiftungspräsident Galeno Amorim erläuterte während der diesjährigen Frankfurter Buchmesse die Einzelheiten des Programms und lud die hiesigen Verleger und Übersetzer zur Zusammenarbeit ein. Die bisherige Unterstützung der brasilianischen Kultur- und Literaturbranche sei sehr unstet gewesen, so Amorim. In den vergangenen zehn Jahren schwankte das jährliche Budget zwischen null und 77.000 Euro. In einem Jahr wurden 31 Projekte mit sehr niedrigen Beträgen gefördert, im darauffolgenden Jahr 16 Projekte in nennenswerter Höhe. Damit sei nun Schluss, betonte der Präsident der „Fundação“. Seine Einrichtung wolle ein vorhersehbares und damit auch glaubwürdiges Programm verwalten.

Finanzspritzen
Als Ziel werden bis 2020 Jahr für Jahr etwa 100 geförderte Projekte anvisiert – „mit Luft nach oben“, wie es in Frankfurt hieß. Die Übersetzungsförderung soll in Form von Zuschüssen in Höhe von 2.000 bis 8.000 US-Dollar pro Vorhaben ausgezahlt werden. Bei Wiederveröffentlichung vergriffener Titel sieht das Programm eine Finanzspritze von maximal 4.000 US-Dollar vor. Insgesamt wird sich die Fördersumme für das laufende Jahrzehnt auf 12 Millionen R$ belaufen, das sind nach derzeitigem Kurs rund 4,8 Millionen Euro.

Das Angebot der Brasilianer richtet sich dabei nicht allein an Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern an jeden Verlag mit Sitz außerhalb Brasiliens, der das Recht zur Veröffentlichung eines brasilianischen Buches erworben hat. Bisher wurden Fördermittel u.a. nach Argentinien, Dänemark, Frankreich, Israel, in den Libanon und die USA vergeben.

Brasilien präsentiert Kultur in Deutschland
Literaturfans in Deutschland können sich, wie bereits beim Gastlandauftritt Argentiniens auf der Frankfurter Buchmesse 2010, in den kommenden zwei Jahren auf eine Vielzahl neuer Romane, Erzählungen, Lyrikbände und Kinderbücher aus Brasilien freuen. Um die Autorinnen und Autoren bekannt zu machen, wird die Kulturabteilung des brasilianischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main zahlreiche Lesungen und Workshops organisieren. In diesem Herbst sind bereits Leticia Wierz, Santiago Nazarian, Adriana Lisboa und João Gilberto Noll in Deutschland unterwegs.





Intellektuelle Spuren hinterlassen
Brasilien wolle mit seiner Literatur in Deutschland „intellektuelle Spuren hinterlassen“, wie Vizekonsul Danilo Zimbres betonte. Zur „Internationalisierung der brasilianischen Literatur“ sollen in den kommenden Jahren weitere Initiativen beitragen, etwa ein Stipendiatenprogramm für Übersetzer, Seminare für Wissenschaftler und Verleger, die Unterstützung von Forschungsvorhaben sowie die Veröffentlichung einer Zeitschrift, die zeitgenössische Literatur des Landes präsentiert.

Brasilien werde 2013 seine Kultur umfassend nach Deutschland bringen, sagte Galeno Amorim, in Form von Literatur, bildender Kunst, Tanz, Musik und Film. Und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Die Buchmesse Frankfurt 2013 ist uns Brasilianern so wichtig, dass wir deshalb im darauffolgenden Jahr 2014 gleich noch eine Fußball-Weltmeisterschaft durchführen.“

Weiterführende Informationen im Netz:
www.literaturdialog-brasilien.de
www.br.br/translationgrant

Quelle: – Von Thomas Völkner – Blickpunkt Lateinamerika. Mit freundlicher Erlaubnis zur Wiedergabe hier.