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quarta-feira, 5 de janeiro de 2011

In Brasilien steht erstmals eine Frau an der Spitze des Staates

Die 63-jährige Dilma Rousseff hat am Samstag in der Hauptstadt Brasilia ihren Amtseid als Präsidentin abgelegt. In ihrer Antrittsrede kündigte sie eine Reform des Steuersystems und die weitere Bekämpfung der Armut an. Auch die Sicherung der Preisstabilität sei ein Schwerpunkt ihrer künftigen Regierungsarbeit. Zugleich würdigte sie ihren Vorgänger und Mentor Luiz Inacio Lula da Silva: "Viele Dinge haben sich in Brasilien verbessert, aber dies ist erst der Beginn einer neuen Ära."

Mit der Wahl der ehemaligen Widerstandskämpferin können die Brasilianer auf Kontinuität setzen, denn Rousseff war Mitglied im Regierungsteam Lulas und will dessen Kurs fortsetzen. Der populäre Lula durfte nach acht Jahren an der Spitze der größten lateinamerikanischen Volkswirtschaft nicht mehr antreten. Doch Rousseff stellte in Aussicht, dass der Ex-Präsident künftig eine wichtige Berater-Rolle einnehmen wird: "Lula wird bei uns bleiben." Rousseff will insbesondere die Sozialpolitik ihres Vorgängers fortsetzen, mit deren Hilfe Millionen Brasilianer aus der Armut fanden.

Brasilien hat unter Lula einen starken Aufschwung erlebt, die Wirtschaft dürfte 2010 um mehr als sieben Prozent gewachsen sein. Vielen Familien gelang der Aufstieg in die Mittelschicht, die dank ihres frisch erworbenen Wohlstands nun Konsum und Industrie befeuert. Zugleich hat sich die Republik neben China und Indien als eines der wichtigsten Schwellenländer etabliert und nimmt großen Einfluss auf die Entscheidungen der mächtigen G20-Gruppe. Doch die boomende Volkswirtschaft kämpft mit einer überbewerteten Währung, ausufernden Staatsausgaben, einer veralteten Infrastruktur sowie einem übermäßigen Beamtenapparat.

Kurz nach ihrer Wahl Ende Oktober hatte Rousseff bereits Reformen des Steuersystems sowie der Verwaltung angekündigt und zugleich versprochen, das Land auf Wachstumskurs zu halten. Bis Lula sie zur Spitzenkandidatin machte, war die frühere Energieministerin nur wenig bekannt. Rousseff profilierte sich aber als Vertreterin eines pragmatischen Linkskurses, der eine investorenfreundliche Wirtschaftspolitik mit umfassenden Sozial- und Infrastrukturprogrammen verbindet. Rousseff kämpfte gegen die von 1964 bis 1985 regierende Militärjunta und wurde während einer dreijährigen Gefangenschaft gefoltert. Einige ihrer Mithäftlinge waren bei ihrer Vereidigung anwesend.

Unter ihren 37 Ministern sind künftig neun Frauen - ein Rekord für Brasilien. Vor der Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 stehen Milliardeninvestitionen an. Als "Reisepass für die Zukunft" bezeichnete Rousseff in ihrer ersten Rede, die gigantischen Ölvorkommen vor Brasilien, die allerdings tief unter dem Meeresboden liegen.

Fonte: http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE70102H20110102

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